Nicht mögen, nur lieben

Über unsere großen Begriffe herrscht oft große Verwirrung. "Liebe" ist ein gutes Beispiel dafür. Die meisten von uns haben eine klare Intuition, dass Liebe etwas Gutes, Schönes und Wünschenswertes ist. Allein dadurch ist dieser Begriff schon sehr mächtig und bietet sich, wie kaum ein anderer, zur Instrumentalisierung an. Im Zuge ihrer Instrumentalisierung wird Liebe zu etwas, das man bekommen und verlieren kann. Man kann ihrer wert oder unwert sein, kann sie kaufen und verkaufen. Darum wirbt eine große Fast-Food-Kette mit dem Slogan „Ich liebe es“ und meint damit Produkte, die in einer Grauzone zwischen ungesunden Nahrungsmitteln und Abfall angesiedelt sind. Ist ein Begriff erst einmal so beschädigt, ist es schwer, ihn wieder zu restaurieren und zu seiner ursprünglichen Bedeutung vorzudringen. Glücklicherweise haben wir viele Zeugnisse von Menschen, die sich um die Pflege des Begriffs und der Liebe selbst verdient gemacht haben, indem sie sich auf abenteuerliche Pfade der Hingabe begeben und ihre Erkenntnisse mit uns geteilt haben. In unserem Kulturkreis ist dieses Zeugnis aus der Bibel (1. Korinther 13) recht geläufig:

 

„...Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles...“

 

Hier bekommen wir einen Hinweis darauf, dass der Begriff „Liebe“ in seiner Essenz auf eine höhere Ordnung deutet, die unser aller Leben hervorbringt, durchdring und strukturiert. In diesem Sinn ist Liebe nichts, dass wir geben oder nehmen, zuteilen oder dosieren, uns verdienen oder ihrer unwürdig sein können. Alles was wir tun können, ist, uns ihr hinzugeben. Das bedeutet, uns in Einheit mit allen Anderen zu erfahren und die Welt so anzuerkennen, wie sie ist. Das kann nicht nur wunderbar, sondern auch sehr schmerzlich sein und verdeutlicht, dass „lieben“ nicht die Steigerung von „mögen“ ist. Wir müssen die Welt nicht mögen, wie sie ist, es reicht sie zu lieben. Dann finden wir Wege hilfreich zu sein. Wir müssen auch nicht alle Menschen sympathisch finden, nicht einmal uns selbst. Es reicht schon sie zu lieben, wie uns selbst und damit anzuerkennen, dass selbst der größte Schrecken seinen Ursprung in Liebe hat.

Sascha Bruhn

Psychologische Beratung und

Krisenbegleitung

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